Freiburg-Hochdorf

 

Kippt die Energiewende?

Veröffentlicht in Bundespolitik


Dr. Eva Stegen von den Elektrizitätswerken Schönau (EWS)

Umweltverbände und Bürgergesellschaften und -genossenschaften zur Herstellung von Ökostrom sind besorgt. Bremst die EEG-Novelle 2016 die erfolgreichen dezentralen Strukturen zugunsten von Konzernen und Industrie aus? Was ist zu tun? Fragen, die der Ortsverein Hochdorf mit Frau Dr. Stegen von den Elektrizitätswerken Schönau diskutiert hat.

„Kippt die Energiewende?“ Frau Dr. Eva Stegen (EWS) bei der SPD-Hochdorf

Alarm schlugen Frau Dr. Eva Stegen von den Elektrizitätswerken Schönau und der SPD-Orts­verein Freiburg-Hochdorf am Mittwoch, 11. Mai 2016, im Evangelischen Katharina-von-Bo­ra-Haus. „Strom von Konzernen oder aus Bürgerhand? - Kippt die Energiewende?“so stellte der Ortsvereinsvorsitzende Dr. Heinz Joseph die Veranstaltung vor. Die positive Weiterent­wicklung der Energiewende in Deutschland, global bisher ein einmaliges Erfolgsmodell, sei ernstlich bedroht, so die Referentin. Von der damaligen Umweltministerin Angela Merkel 1993 noch mit einem maximalen Beitrag in Höhe von nur 4 % Anteil am Strommarkt eingeschätzt, trügen die erneuerbaren Energien aktuell nun schon mit 33 % zur Stromversor­gung bei. Und das Potential sei groß. Die 100 %-Marke könne viel schneller als nach allen bisherigen Prognosen errechnet erreicht werden. Dagegen wolle die geplante Novellierung des „Erneuerbare-Energien-Gesetzes“ (EEG 2016) die Klimawende aber nun nicht nur nicht vorantreiben, sondern zeitlich und von der Menge möglicher CO2-Reduktionen her sogar ab­bremsen. Verbliebene Kontingente des weiteren Zubaus von Ökostromanlagen würden tendenziell immer stärker weg verlagert von Anlagen in Bürgerhand hin zu den großen Kon­zernen. In der Windenergie-Branche drohe dadurch der gleiche Jobverlust, wie ihn die Re­gierung bereits in den letzten Jahren zulasten der Biomasse und der Fotovoltaik in Gang ge­setzt habe.

Die Referentin räumte mit drei verbreiteten Vorurteilen gegen die regenerativen Energien auf:

(1) Ökostrom werde, so die Behauptung, über die EEG-Umlage zu einer immer größeren Belastung für das Portemonnaie des Verbrauchers. (2) Eine Förderung des Ökostroms sei eine nicht mehr zu rechtfertigende Bevorzugung gegenüber anderen Anbietern im Wettbewerb (Gabriel. „Schluss mit Welpenschutz!“) (3) Aufgrund erheblicher Schwankungen bei der Produktion seien die Erneuerbaren nicht in der Lage, den benötigten Bedarf stets zuverlässig anzubieten.

Eva Stegen zeigte (1) auf, dass die Förderung der Erneuerbaren (= EEG-Umlage, 6,35 Ct/kWh) sich nur auf rund ein Fünftel dessen belaufe, was Verbraucher für Strom bezahlen müssten (aktuell ca. 28,5 Cent/kWh). Von der EEG-Umlage selbst gehen auch nur rd. 40% an die Produzenten des Ökostroms, der Rest sind externe Kostenblöcke, wie z.B. Industrie­privilege oder der gesunkene Börsenpreis, der die Umlage paradoxer Weise erhöht

Was den Wettbewerb angehe (2), so sei Ökostrom in der Herstellung sowieso unschlagbar günstig. Solange aber Strom aus Kohle und Atom in der EU und in Deutschland massiv direkt und indirekt vom Staat subventioniert werde, sei die Beanstandung einer Förderung des Ökostroms unredlich. Je schneller die erneuerbaren Energien ausgebaut werden, desto sauberer und kostengünstiger werde die Versorgung künftig für den Verbraucher sein.

In Sachen Versorgungssicherheit (3) sei die Produktion aus traditionellen Energie-Quellen keineswegs so zuverlässig, wie immer behauptet. Kohle- und Atomkraftwerke müssten bei Niedrigwasser von Flüssen ihre Produktion drosseln. Engpässe habe es in der Vergangenheit konkret gegeben. Erdgas könne durch Gas aus Biomasse, durch innovative Speichertechniken und durch ein intelligentes flexibles System der Harmo­nisierung von Stromangebot und -nachfrage („Demand-Side-Management“) ersetzt werden.

- Das Hauptaugenmerk in der Diskussion konzentrierte sich auf die Frage, wie sich die Idee klimafreundlicher Energie in Bürgerhand politisch durchsetzen könnte gegen die Lobby der traditionellen Kraftwerks-Großindustrie. Eva Stegens Empfehlung (natürlich): wechseln zu Ökostromanbietern. Denn wenn niemand mehr Strom aus Kohle oder Atom kaufe, würden die Chancen für das Angebot erneuerbarer Energie von Bürgergenossenschaften und Bürgerge­sellschaften steigen. Der Strommarkt müsse „demokratisiert“ werden, forderten Diskussions­teilnehmer. Was Jobs angehe, so sei die politische Richtung eindeutig: zu fördern seien Arbeitsplätze, die das Klima schonen, und nicht solche, die es zerstören.

Eva Stegen und der SPD-OV wiesen auf diverse Möglichkeiten hin, den anlaufenden Wider­stand gegen das Abwürgen der erneuerbaren Energie in Bürgerhand online im Internet zu unterstützen (z.B. info@metropolsolar.de, wo u.a. Franz Alt, Rolf Disch und Eva Stegen unterschrieben haben). Für Juli sei eine große Kundgebung gegen die EEG 2016-Novelle in Berlin geplant. 

Der OV-Vorsitzender Heinz Joseph bedankte sich bei der Referentin und beim Publikum für eine Veranstaltung, die klar aufgezeigt habe, auf welcher Seite man in Sachen Energiewende stehen müsse.

                                                                                    Knuth Stemmer

 

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